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Tobias arbeit­et seit sechs Jahren als Polizist in Öster­re­ich. Er kon­nte in den ver­gan­genen Tagen fest­stellen, dass häu­fig diejeni­gen, die zu Risiko­grup­pen zählen, sich nicht an die Maß­nah­men hal­ten. Das sei gefährlich.

The Opin­ion: Wie nimmt die Sit­u­a­tion Ein­fluss auf Ihr Leben?

Tobias: Ohje, es wird gle­ich philosophisch. Wirk­lich verän­dert hat sich für mich nicht so viel. Ich gehöre ein­er Beruf­s­gruppe an, die von den Maß­nah­men eigentlich nur indi­rekt betrof­fen ist. Das heißt für mich geht die Arbeit eigentlich ganz nor­mal weit­er. Es hat sich in der Hin­sicht wenig verändert.

Es hat sich nichts verändert?

Wir haben jet­zt Vor­gaben, dass wir Schutz­masken im Dienst tra­gen müssen. Das ist für mich aber keine große Umstel­lung und alle weit­eren Vor­gaben – wie zum Beispiel die Hygien­evorschriften – finde ich jet­zt per­sön­lich nicht so ein­schnei­dend. Man sollte doch ohne­hin Hän­de­waschen, auch ohne Pandemie.

Sind sie wie gewohnt auf der Straße unter­wegs? Kein Home Office?

Ja, anfangs gab es Mal die Befürch­tung, dass die Ham­sterkäufe und der große Ansturm auf die Super­märk­te ausarten kön­nten. Zu diesem Zeit­punkt mussten mehr Kol­le­gen im Außen­di­enst arbeit­en und nicht auf der Dien­st­stelle. Das fand ich sog­ar angenehmer. Weniger im Büro und mehr draußen.

Die erwarteten Auss­chre­itun­gen sind nicht eingetreten.

Es hat sich ins­ge­samt sehr in Gren­zen gehal­ten – wenn man von dem Fre­itag, an dem die ersten Maß­nah­men einge­set­zt wur­den, absieht. Da hat es einen Ansturm auf die Super­märk­te gegeben. Seit­dem wur­den Super­märk­te aber nicht kom­plett leer gekauft.

Die Leute haben also Ihrer Mei­n­ung nach ver­standen, dass sie nicht ver­hungern werden.

Ja, Gott sei Dank.

Ist es in deinem Beruf schwierig, den Sicher­heitsab­stand zu anderen Leuten einzuhalten?

Wir haben die Vor­gabe, zu unseren Kol­le­gen einen Abstand von einem Meter einzuhal­ten. Das ist de fac­to nicht möglich. Spätestens im Dien­st­fahrzeug oder zum Teil bei Dien­st­be­sprechun­gen kann der Sicher­heitsab­stand nicht gewährleis­tet wer­den. Auch bei anderen Per­so­n­en geht das manch­mal nicht. Wenn man jeman­den fes­t­nehmen muss oder Erste Hil­fe leis­tet. Grund­sät­zlich fällt es uns aber schon leicht, den Sicher­heitsab­stand zu anderen Per­so­n­en einzuhal­ten. Wir wer­den geschult, dass wir immer genü­gend Abstand hal­ten sollten.

Weshalb?

Aus dem Grund, dass wir dann hand­lungss­chneller sind. Sollte es Mal passieren, dass wir ein­er aggres­siv­en Per­son gegenüber­ste­hen, gewährleis­tet der Abstand, dass man reagieren kann.

Ver­hal­ten sich die Men­schen derzeit anders?

Da möchte ich etwas ansprechen, dass ich ein biss­chen auf die öster­re­ichis­che Men­tal­ität zurück­führe. Ich habe das Gefühl, dass immer erst ein­mal die Anderen verurteilt wer­den, bevor man vor der eige­nen Haustüre kehrt. Das merken wir vor allem nach­mit­tags bei schönem Wet­ter. Da nehmen Anrufe über­hand, dass fünf oder sechs Per­so­n­en gese­hen wur­den, die den Sicher­heitsab­stand nicht ein­hal­ten. Wir müssen das dann kon­trol­lieren und sie auf­fordern auseinan­derzuge­hen. Das ist mein­er Mei­n­ung nach sinnlose Arbeit.

Hal­ten sich die Leute anson­sten an die Regelungen?

Im Großen und Ganzen wird es eigentlich gut angenom­men. Inter­es­san­ter­weise gehen die Jugendlichen – bis auf ein paar Aus­nah­men – vernün­ftiger mit der Sit­u­a­tion um, als diejeni­gen, die man schützen will. Uns fällt auf, dass vor allem ältere Leute – also diejeni­gen die eigentlich zur Risiko­gruppe zählen – sich zum Teil über­haupt nicht daran­hal­ten. Sie wollen unbe­d­ingt spazieren gehen oder etwas anderes machen. Das ist erschreck­end. Schließlich sollen sie mit den Maß­nah­men geschützt werden.

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Anmerkung der Autoren:

»Den Jour­nal­istIn­nen wird immer häu­figer vorge­wor­fen, sie wür­den das Inter­view ver­fälschen. Als Jour­nal­istIn ver­sucht man, den Sin­nge­halt des Gesagten nicht zu verän­dern. Die Kor­rek­turen dienen dazu, den Text leser­lich zu machen. Auch wir haben das in diesem Inter­view getan. Wir haben Zwis­chen­fra­gen eingeschoben, um Sin­ne­sein­heit­en voneinan­der abzu­gren­zen. Wir haben Pas­sagen zusam­menge­führt, damit man keine the­ma­tis­chen Dopplun­gen lesen muss. Wir haben gestellte Fra­gen wegge­lassen, die sich bei der Beant­wor­tung als nicht rel­e­vant her­aus­gestellt haben.«

Bild:

Bild: Michael Hei­gl / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

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