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Qualitätsförderung oder Machtausbau

Ende 2020 erscheint in Deutsch­land und Brasilien die Nachricht­en­plat­tform „Google News Show­case”. Der IT-Gigant bezahlt erst­mals für Presseartikel. Ob Google damit zu mehr Qual­ität im Jour­nal­is­mus beiträgt, oder aus Eigen­in­ter­esse han­delt, darf bezweifelt werden. 

Google News sam­melt Schlagzeilen aus unter­schiedlichen Quellen und stellt sie zu ein­er Nachricht­en­plat­tform zusam­men. News Show­case wird eine neue Sek­tion von Google News, die Inhalte ansprechend und per­son­al­isiert in einem Feed auf­bere­it­et – als eine Art „Schaukas­ten“. Für diese Schlagzeilen arbeit­et Google direkt mit den Ver­la­gen zusammen.

Ziel des US-Tech­nolo­gieriesen ist es, inner­halb der näch­sten drei Jahre weltweit eine Mil­liarde Dol­lar (rund 854,12 Mil­lio­nen Euro) in jour­nal­is­tis­che Inhalte zu investieren. Beteiligt sind unter anderem 20 deutsche Medi­en, darunter „FAZ“, „Die Zeit“, „Der Spiegel“, „Stern“ und „Der Tagesspiegel“. Google-Zen­traleu­ropachef Philipp Jus­tus teilt mit, dass das Pro­jekt kün­ftig auf andere Län­der wie Argen­tinien, Aus­tralien, Großbri­tan­nien, Kana­da, Bel­gien, Nieder­lande und Indi­en aus­geweit­et wird.

Ein Fortschritt für die Medienbranche?

Der Schritt von Google, für jour­nal­is­tis­che Inhalte zu bezahlen, wird als Kehrtwende in der Branche gese­hen. „Es ist Googles bis­lang weitre­ichend­ster Schritt um die Zukun­ft des Jour­nal­is­mus zu unter­stützen.“, so das State­ment des Konz­erns. Das US-Unternehmen zahlt auch für kostenpflichtige Inhalte – die Artikel erscheinen also ohne Pay­wall. Anni­ka Sehl, Pro­fes­sorin für Dig­i­tal­en Jour­nal­is­mus an der Bun­deswehr-Uni­ver­sität in München, sieht genau diesen Aspekt als Vorteil: Nutzer erhal­ten einen kosten­losen Zugang zu Premium-Artikeln.

Die Kehrseite der Medaille

Der Bun­desver­band Dig­i­talpub­lish­er und Zeitungsver­leger (BDZV) kri­tisiert: „Die Gel­dauss­chüt­tung an Ver­lagshäuser erfol­gt nach Gut­sher­re­nart. Das hat nichts mit unseren Vorstel­lun­gen von einem mod­er­nen Urhe­ber­recht im 21. Jahrhun­dert zu tun“.

Google weit­et mit dem Pro­jekt die „jour­nal­is­tis­che Vielfaltss­chere”. Während kleine Ver­lage keine Förderung erhal­ten, bekom­men die ohne­hin schon großen Ver­lage finanzielle Unter­stützung und mehr Sicht­barkeit. Dieser Schritt führt zu ein­er Ver­stärkung der Konzen­tra­tion am Nachricht­en­markt und zu einem Ver­lust der jour­nal­is­tis­chen Vielfalt. Inter­essen und Mei­n­un­gen der Min­der­heit­en wer­den vor­erst nicht im Pro­gramm aufgenom­men. Was zu lesen sein wird, sind die Sichtweisen der mächti­gen Ver­lage. Unter­schiedliche Ansicht­en, divergierende Ansätze und Mei­n­ungsvielfalt zählen zu den wichtig­sten Kri­te­rien von qual­i­ta­tiv hochw­er­tigem Journalismus.

Mit “Google News Show­case” umge­ht das Unternehmen gekon­nt diese Kri­te­rien und auch europäis­che Geset­ze, die besagen, dass Chan­cen­gle­ich­heit und faire Wet­tbe­werb­s­be­din­gun­gen in der Medi­en­land­schaft gesichert sein müssen. Indem der IT-Gigant ein eigenes Pro­jekt auf den Markt bringt, macht er sich unab­hängig. Mit welchen Ver­la­gen eine Zusam­me­nar­beit stat­tfind­et, bes­timmt Google selb­st. Eine solche Entwick­lung ist aus kom­mu­nika­tion­swis­senschaftlich­er Per­spek­tive gefährlich. Google weit­et seine ohne­hin bere­its monop­o­lis­tis­che Macht­po­si­tion weit­er aus. Eine Welt, in der ein IT-Konz­ern den Ein­fluss darüber hat, zu bes­tim­men, welche Inhalte die Bevölkerung zu Gesicht bekommt, wäre nicht nur ein­tönig, son­dern auch bedrohlich: Kri­tis­che Stim­men kön­nten ver­s­tum­men. Kri­tik an Google wird man im “Show­case” wohl nicht zu lesen bekommen.

Ein Resümee

Google zahlt erst­mals für jour­nal­is­tis­che Arbeit. Ein Schritt in die richtige Rich­tung. Allerd­ings ein­er, den Google nicht ohne Hin­tergedanken macht. In der Öffentlichkeit rühmt sich Google als Befür­worter und großzügiger Unter­stützer für mehr Qual­ität im Jour­nal­is­mus. Dass diese Aktion den Großkonz­ern in sein­er Alle­in­stel­lung noch weit­er stärkt, sollte allerd­ings nicht überse­hen wer­den. Nötig sind kri­tis­che Augen, die ver­meintlich pos­i­tive Entwick­lun­gen wie diese hin­ter­fra­gen und überwachen. Den glob­alen Big Play­ern mehr und mehr Macht zu über­lassen, führt langfristig zu ein­er ein­töni­gen und monot­o­nen Welt.

Quellen:

Der Stan­dard (2020): Google News Show­case: Google will Ver­la­gen eine Mil­liarde Dol­lar für jour­nal­is­tis­che Inhalte zahlen. Online unter: https://www.derstandard.at/story/2000120402657/google-news-showcasegoogle-will-verlagen-eine-milliarde-dollar-fuer-journalistische

Borg­ers, Michael (2020): Investi­tion in Jour­nal­is­mus oder kalkulierte PR-Aktion? Online unter: https://www.deutschlandfunk.de/google-news-showcase-investition-in-journalismus-oder.2907.de.html?dram:article_id=485385

Frank­furter All­ge­meine Zeitung (2020): Zwanzig Ver­lage sind dabei. Online unter: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/das-programm-google-news-showcase-16981164.html

Google (o.J.): Was ist News Show­case für Google? Online unter: https://support.google.com/news/publisher-center/answer/10018888?hl=de

Han­dels­blatt (2020): Google zahlt Ver­la­gen weltweit 1 Mil­liarde Dol­lar für jour­nal­is­tis­che Inhalte. Online unter: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/suchmaschine-google-zahlt-verlagen-weltweit-1-milliarde-dollar-fuer-journalistische-inhalte/26235224.html#:~:text=Suchmaschine%20Google%20zahlt%20Verlagen%20weltweit,Auch%20deutsche%20Verlage%20profitieren

Forschungsgruppe Medienwandel

Im Rah­men des Mas­ter-Pro­jek­ts „Change – Nachricht­en im Kon­text von Poli­tik, Wirtschaft und Tech­nik“ beschäfti­gen sich Student*innen der Uni­ver­sität Salzburg mit der Verän­derung von (dig­i­tal­en) Nachricht­en . Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Josef Trap­pel und Ste­fan Gadringer, MA erar­beit­en sie Beiträge zu aktuellen und rel­e­van­ten Phänome­nen des Medi­en­wan­dels. Files­Magazin stellt einige der geschriebe­nen Artikel vor.

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